In meinem letzten Beitrag hier auf dem Blog hab ich den Teufel aber mal so ziemlich an die Wand gemalen. Zu diesem Zeitpunkt war das auch mehr als gerechtfertigt. Die Bengals legten einen haarsträubenden Saisonstart hin und würgten sich irgendwie zu einem 2-3 Record nach 5 Spielen durch. Einziger Lichtblick? Burrow hatte gerade gegen die Cardinals bewiesen, dass er endlich wieder der alte zu sein scheint. Der Blick nach vorne liess einem aber sogleich wieder nervös werden, es standen ein starkes Seahawks-Team, zu diesem Zeitpunkt dominante 49ers und ein Playoff-Garant der letzten Jahre mit den Bills auf dem Plan. "Nur" ein fitter Burrow würde das Ruder auch nicht herumreissen...oder etwas doch?
Da ihr alle mit Leib und Seele die Bengals verfolgt, muss ich euch nicht erzählen, was dann passieren sollte. Die Bengals schlagen Gegner um Gegner in teilweise dominanter Art und Weise nur um ihren Meister vergangenen Sonntag in einem jungen aufstrebenden Texans-Team zu finden. Also so ziemlich genau das, was jeder erwartet hat oder? Sarkasmus mal bei Seite, die Bengals haben im Spiel gegen Houston eindrücklich bewiesen wie nahe die Narrative in der NFL zusammenliegen können. Gewinnen sie, gehen sie als wiedererstärkter, ehrgeiziger Contender in ein monumentales Rematch gegen die Ravens. Die Bengals aber verlieren dieses Spiel und so müssen wir darüber sprechen, wie der Erfolg der letzten Wochen einige kleinere und grössere Probleme kaschiert hat und man sich angesichts der ultra engen AFC North eigentlich keine Niederlage gegen die Ravens mehr erlauben darf um irgendwie dran zu bleiben. Und genau das werden wir jetzt tun:
Der Schmale Grat zwischen Heroik und Fatalität
Die Bengals können Offensiv mit den besten Teams der Liga mithalten. Joe Burrow ist beispielsweise einer der Quarterbacks mit der höchsten Completion-Percentage der Liga und JaMarr Chase ist in den Top 10 in Sachen Receiving-Yards und Receiving-Touchdowns.
Zur Wahrheit gehört aber eben auch das die Bengals nur die Nummer 20 in Punkte pro Spiel und die Nummer 24 in Yards pro Spiel sind. Im Laufspiel zeigt sich sogar noch düsterere Zahlen. Die Bengals sind das schlechteste Team wenns um Sachen Rushing Yards pro Spiel und das 28-beste Team wenn es um Rushing Yards pro Versuch geht.
Diese Zahlen zeichnen ein deutliches Bild von einer Offensive die in den höchsten Höhen aber auch in den tiefsten Tiefen der NFL mitspielen kann. Und genau diese Beobachtung gibt ja auch der Eye-Test auf dem Feld her. Oft legt die Bengals Offense, getragen von Burrows überragenden Passverteilerqualitäten, los wie die Feuerwehr nur um noch in der selben Halbzeit nicht mal mehr ein First Down hinzubekommen. Die Bengals bringen dieses Jahr einfach keine Konstanz in ihre Offensive. Es gibt nur Hui oder Pfui, weil die Offensive einfach zu sehr an ihren Playmakern (Burrow und Chase) hängt und nicht von einem guten Scheme profitiert. Da Burrow und Chase unweigerlich zu den besten Spielern der Liga gehören kann das Hoch die Bengals Weit tragen. Das gemeine an der Sache ist, dass dich das Tief immer irgendwann einholt, wenn du keinen gesicherten Boden als Operierungsgrundlage hast. Manchmal holts dich erst im Superbowl ein wie in 2021 und manchmal holts dich in nem Random Week 10 Spiel gegen die Houston Texans ein, in einem Spiel wo du eigentlich der klare Favorit bist und dir mit Blick auf die kommende Partie eigentlich nicht verlieren kannst.
Ein ähnliches Bild zeichnet sich auch in der Defensive ab. Mit 18 kreierten Turnovern steht die Bengals Defense an der Spitze der NFL. Trey Hendrickson hat mit 8.5 Sacks die 8-meisten Sacks der Liga und Cam Taylor Britt hat mit seinen 4 Interceptions platz 3 in der INT-Leader Statistik inne.
Im Gegensatz dazu steht Platz 30 in erlaubten Yards pro Spiel, wiederum Platz 30 in Sachen Rushing Yards erlaubt pro Spiel und sogar nur Platz 31 in Sachen Rushing Yards erlaubt pro Versuch (5.0 Yards Pro Lauf!). Zudem lassen die Bengals zuletzt viel zu viele sogenannte "Explosive Passes" (Pässe mit über 20y Raumgewinn) zu. Gegen die 49ers und die Texans waren es je 8 pro Spiel. Im vergleich zu letzten Jahr hat sich die Zahl an erlaubten explosiven Pässen von 3,3 pro Spiel zu 4,3 pro Spiel hochgekurbelt.
Auch hier Lügen die Zahlen nicht, wenn man das ganze mit dem vergleicht, was man auf dem Feld geboten bekommt. Momentan kriegen wir eine Bengals Defense zu sehen, die geprägt von wichtigen Verlusten in der Secondary und einem immer mal wieder auftauchendem Problem des schlechten Tacklings viel zu viel Yards zulässt und sich so immer wieder in prekäre Situationen bringt nur um sich selber dann mit irgend einem geilen Turnover oder einem Redzone-Stopp den Arsch zu retten. Auch hier, das kann funktionieren und hat uns auch gegen die Texans, den nicht für möglich geglaubten Ausgleich gebracht allerdings hat das Play der Defense eben auch dazu geführt, dass man am Ende das Spiel doch noch verliert, weil man bei dritter und 6 nen tiefen ball auf TE Schultz zulässt, statt vom Feld zu kommen.
Der Grat zwischen Heroik und Fatalität ist schmal. Desto höher du steigst desto tiefer kannst du auch Fallen, es sei denn du hebst immer mal wieder den Boden an, von welchem aus du operierst. Und genau das fehlt den Bengals momentan: Ein sicherer verlässlicher Boden, Offensiv sowie auch Defensiv.
Kein Grund zur Sorge?
Die Bengals stehen nach neun Spielen bei 5-4. Wenn man sich die im vorhergegangenen Abschnitt beschriebene Dynamik innerhalb des Teams mal so anschaut, ist das genau der Record, den man für dieses Team erwarten dürfte. Ein Auf und Ab der eigenen Leistungen führt auch zu keinem klarem Bild im Record. Mit 5 Siegen und 4 Niederlagen, lässt sich also noh kein klares Bild für dieses Team zeichnen und man muss gespannt bleiben in welche Richtung es sich weiterentwickelt. Man darf also als Fan durchaus eine Achterbahn der Gefühle erwarten. Dies wäre zumindest die rationale Schlussfolgerung aus den gegebenen Umständen.
Der Optimist in mir sagt aber etwas anderes: Die Bengals stehen zum dritten mal in Folge nach 9 Spielen bei 5-4. 2021 wurde daraus ein 10-7 Record und eine Superbowl-Teilnahme. 2022 hat man nach Woche 9 kein einziges Spiel mehr verloren, ging mit 12-4 in die Playoffs und liess eine weiter Superbowl-Teilnahme mit dem letzten Drive der Chiefs durch die Finger rieseln. Und auch der Trend geht zuletzt eigentlich in die richtige Richtung, trotz des Schlechten Spiels gegen die Texans:
Was Joe Goodberry hier ausdrücken will ist folgendes: Die Bengals haben zuletzt einen starken stretch gespielt und haben 4 Spiele in Folge gewonnen und hatten auch das Spiel gegen die Texans Quasi in der Tasche (Wenn TB nur diesen verflixten Ball fangen würde...). Die Bengals spielen einen deutlich besseren Football als zu Beginn der Saison und es nicht gerechtfertigt plötzlich wieder in Panik zu verfallen nur wegen einer Niederlagen aus 5 Spielen.
Allerdings gibt es da leider auch den kleinen Pestimist in mir der mit einem kurzen Blick auf den anstehenden Schedule solche Gedanken leider wieder etwas einschränkt. Die Bengals spielen in der restlichen Saison noch gegen folgende Teams: Ravens, Steelers, Jaguars, Colts, Vikings, Steelers, Chiefs und die Browns. Kein einziges dieser Teams hat momentan einen negativen record, wobei die Colts mit 5-5 noch den niedrigsten Record aufweisen. Das werden also alles keine Selbstläufer (die gibt es in der NFL eh nie). Das blöde an der Sache? De Bengals haben sich mit diesem Saisonstart leider ziemlich ein Loch gebaut und dürfen sich gerade in der AFC North eigentlich keine Fehler mehr erlauben. Die AFC wird wieder ein mal von kompetitiven Teams überrant, was bedeutet das der Kampf um die 7 Playoff-Plätze um so enger wird. Jede Niederlage, jeder verlorene Tie-Breaker könnte fatale Folgen haben. Das macht gerade die noch anstehenden Duelle in der AFC North so wichtig. Die Bengals dürfen den Anschluss an ihre eigene Division nicht verlieren, wenn sie im Rennen um die Playoffs ein Wörtchen mitreden wollen.
Fazit
Erfolg hat die Fähigkeit so einiges zu kaschieren. Wenn du Spiele gewinnst, ist es egal, wie du sie gewonnen hast, da dir das Ergebnis recht gibt. Sobald du verlierst werden gnadenlos alle Fehlerchen und Problemchen sichtbar, da man, logischerweise nach Gründen für den Misserfolgt sucht. Optimistisch sein ist der Diesel, welcher das Fan-Auto antreibt und der Pessimismus ist die Banane bei Mariokart, welche dich ziemlich schnell aus der Bahn werfen kann, wenn du nicht aufpasst. Und irgendwo dazwischen liegt wohl die Wahrheit begraben.
Somit bleibt mir wie immer nur noch eines übrig:
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