Genau heute vor 24 Jahren, am 29.09.1998, habe ich mich 7 Wochen zu früh aus dem Unterleib meiner Mutter gequetscht. Wahrscheinlich konnte ich schon damals das erste grosse Aufeinandertreffen der beiden Top QB aus dem 202O NFL Draft kaum mehr erwarten, was dann auch meine verfrühte Ankunft erklären wurde.
Um etwas seriöser zu werden: Die Ausgangslage könnte für beide Teams kaum unterschiedlicher sein. Die Bengals sind nach dem Hoch des SuperBowls in der neuen Saison über die eigenen Füsse gestolpert. Vermeintlich schlagbare Gegner erwiesen sich als grosse Hürden, grade für die hochgelobte Offensive. Zuletzt konnte man sich gegen die Jets wieder etwas rehabilitieren, es bleiben aber bei mir zumindest die Zweifel, wie nachhaltig dieser Umschwung tatsächlich war.
Dem Gegenüber stehen die Dolphins. Nach dem 3-0 Start in die Saison mit spektakulären Siegen gegen die Ravens und zuletzt letzte Woche gegen die von allen bereits in den Superbowl geschrienen Bills sind sie neben den Eagles das Team, welches momentan am meisten Hype erfährt.
Es gestaltet sich also eine super spannende Ausgangslage zweier hochgradig beszten Offensiven. Der Motor der einen Lief gerade erst so langsam warm, der Motor der anderen läuft bereits jetzt schon auf Hochtouren.
Noch kurz etwas zu den Rahmenbedingungen, die grade bei diesem Spiel etwas besonderes sein dürften. Die Bengals spielen diese Saison das erste Mal "Under the lights" und dies hat man sich für etwas ganz spezielles zum Anlass genommen: Die Mannschafft tritt von Kopf bis Fuss komplett in Weiss/Schwarz auf. Somit feiern auch die White Tiger Helme heute Nacht ihr Debut. Auch die Fans wurden dazu aufgefordert komplett in Weis zu erscheinen, Paycorstadium soll also zu einem weiss-tobenden Hexenkessel werden. In der Halbzeit findet zudem die Bengals Ring of Honor Zeremonie statt. Mit Isaac Curtis und Willie Anderson werden zwei absolut Bengals Legenden in den Ring der Bengals-Unsterblichkeit eingeführt und im Stadion verewigt.
Nun genug Vorgeplänkel, gehen wir rein in die Preview:
Dolphins: Die Frage nach der Henne und dem Ei
Die Frage die Sich bei den Dolphins in der Offensive ziemlich schnell aufdrängt, ist die Frage nach der Henne und dem Ei. Spielt Tua so gut, weil seinen Offense ihn trägt oder ist die Offensive so gut, weil sie Tua optimal umsetzten kann? Die Wahrheit liegt wahrscheinlich weder auf der einen noch auf der anderen Seite, sondern irgendwo dazwischen. Tua hat als Quarterback mit Blick auf vergangene Saison definitiv einen Schritt gemacht aber dieser Schritt ist halt auch einfacher zu gehen, wenn du WR Tyreek Hill, LT Terron Armstead und HC Mike McDaniel an die Hand bekommst.
Grundsätzlich kann man sagen, dass die Offensive von Miami vor allem auf einem Element aufbaut: Speed. Auf WR haben haben sie mit dem bereits angesprochenen Tyreek Hill und dem Youngster Jaylen Waddle die beiden gefährlichsten Speedster der ganzen Liga. Dieser Speed macht es für gegnerische Verteidigungen enorm schwierig, sie über ein ganzes Spiel in Schach zu halten. Es eröffnet den Dolphins die Möglichkeit das Feld zu strecken und somit unterhalb Räume für die ebenfalls explosiven Running Backs und selten auch für den Tight End zu öffnen. Auch bei den Runningbacks haben die Dolphins zwei Namen auf die man aufpassen sollte. Chase Edmonds ist eher der Mann für die Pässe und Raheem Mostert ist der Mann für die explosiven Runs. Ohne Dj Reader bei den Bengals könnte das zum Problem werden. In der O-Line sticht vor allem ein Name hervor: In der vergangen FA haben die Dolphins Star-LT Terron Armstead von den Saints verpflichtet. Dies verspricht ein spannendes Duel auf Augenhöhe mit unserem DE Trey Hendrickson. Ansonsten, und hier verlasse ich mich jetzt einfach mal auf den Gast im German Jungle Podcast, könnte die O-Line von Miami zu einer kleineren Problemzone werden. Den Bengals fehlt mit Dj Reader allerdings ein wichtiges Stück in der D-Line. Desshalb muss man abwarten, wie viel Druck tatsächlich auf diese schwächelnde Miami O-Line generiert werden kann.
Defensiv wurde das Team vor allem rund um eine sehr starke Passverteidigung aufgebaut. Angeführt wird die Secondary von CB Xavien Howard, welcher schon des Öfteren bewiesen hat, dass er gegnerischen Nr. 1 Receivern das Leben schwer machen kann. Auf Saftey stehen mit FS Jevon Holland und SS Brandon Jones zwei noch sehr junge und talentierte Spieler als letzte defensive Absicherung auf dem Platz. Das defensive Backfield könnte sogar noch stärke sein. Mit Byron Jones befindet sich nämlich ein weiterer Top Corner noch auf der IR-Liste. Die "Schwachstelle", wenn man den überhaupt eine ausmachen kann, befindet sich etwas weiter vorne auf dem Linebacker-Niveau. Gegen den Run sind beide LB anfällig und auch in Coverage gehöre Jerome Baker und Elandon Roberts (Ich höre/lese diesen Namen zum ersten Mal...) nicht zu den besten. Ich hoffe die Bengals finden wege z.B. mit Tyler Boyd diese Zone des Feldes anzugreifen und 1zu1 Matchups gegen die Linebacker zu bekommen.
Bei der D-Line gilt dasselbe wie bei den Jets letzte Woche. Der eine grosse Star-Spieler fehlt aber jeder Spieler ist als Einzelspieler nicht zu unterschätzen. Die Dolphins D-Line lebt auch ganz klar von ihrer ausgezeichneten Tiefe. Es wird viel rotiert und so können ohne grossen Qualitätsverlust immer wieder frische Passrusher auf die Jagd von gegnerischen Quarterbacks gehen.
Bengals: Kann ich dir Vertrauen?
Der Auftritt gegen die Jets war sicherlich beruhigend für die Nerven. Die Defensive hat das Spiel kontrolliert und die Offensive ist Einiges anders angegangen und hatte zumindest teilweise auch Erfolg damit. Der Sieg stand nie in Gefahr und trotzdem bin ich mir alles andere als sicher, ob das nun der gewünschte Turnaround war, den wir uns alle erhofft hatten.
Defensiv treffen die Bengals nämlich diese Woche auf die erste richtig grosse Herausforderung. Die Miami Dolphins haben ein Waffenarsenal, dass sich unglaublich schwierig über 60 Minuten bändigen lässt. Doch die Bengals Defensive hat letztes Jahr Mal ums Mal bewiesen, dass sie auch mit solchen hochkarätigen Offensiven klar kommen kann. Gerade DC Lou Anarumo lieferte mit seinem Gameplan jeweils gegen die besten Gegner auch seine beste Leistungen ab. Das beeindruckende an diesen Gameplans war, das man immer zur Halbzeit gekonnt reagieren konnte, wenn die Dinge doch schief liefen. Ich bin mir sicher, dass auch die diesjährige Variante der Bengals Defense zu solchen Leistungen in der Lage ist und trotzdem muss man aufpassen, dass man keine (Geburtstags)Geschenke an die Dolphins verteilt. Die Formel "Bend but dont Break" könnte von enormer Bedeutung werden, wenn die Bengals das Speil defensiv spannend halten wollten.
Zudem müssen Defensiv leider auch über die unschönen Aspekte des Footballs sprechen. Mit Dj Reader verlieren die Bengals ihren besten Defensiven Spieler mindestens 4-6 Wochen an eine Knie Verletzungen. Das Talent von Dj Reader wird vor allem im Spiel gegen den Run fehlen. Dies bringt eine Statistik von Next Gen Stats zum Ausdruck. Mit Dj Reader auf dem Feld lassen die Bengals im Schnitt 4.0 Yards gegen den Lauf zu. Ohne Dj Reader auf dem Feld im Schnitt 4,6 Yards. Das ist einfach ein enorm grosser Unterschied. Weil Dj Reader so gut gegen den Run war, wurde er von DC Lou Anarumo meist mit der Aufgabe betreut, gleich für zwei Rungaps zuständig zu sein. Dies meisterte Reader mit Bravour und ermöglichte es den Bengals so, weniger Spieler in die Box und mehr Spieler in die Passverteidigung zu stellen. Aber auch als Passrusher war Dj Reader eine Macht. Laut Next Gen Stats hatte er eine Pressure Rate von 15.6%. Das ist der beste Wert aller DT, welche mind 40 Snaps gespielt haben. Ihr merkt, es wird also eine Herkulesaufgabe sein, diesen Spieler einfach so zu ersetzten und ich bin gespannt, wie Anarumo dieses Problem angehen wird bzw. welchen Spielern eine wichtigere Rolle zugeteilt wird.
Offensiv will ich eine Weiterentwicklung von dem sehen, was uns gegen die Jets geboten wurde. Es waren einige gute Ansätze dabei und auch Joe Burrow hatte seinen bekannte Confidence wieder zurück und lies sich auch von Druck innerhalb der Pocket nicht mehr so einfach aus der Ruhe bringen.
Damit sich die Offensive aber kontinuierlich weiter steigern kann, müssen wir endlich mehr vom Rungame sehen. Hierfür nehme ich Mixon und die O-Line gleichermassen in die Pflicht. Mit einem Schnitt von 2,6 Yards pro Lauf kommt dieses Jahr vom 12 Millionen Mann einfach noch deutlich zu wenig. Oft wirkt Joe Mixon bei seinen Laufentscheidungen auch viel zu zögerlich. Anstatt das er die Gap attackiert, wartet er bis sich vielleicht noch etwas Besseres auftut und dann ist es meistens schon zu spät. Man bekommt das Gefühl, das Mixon seiner neuen O-Line noch nicht wirklich vertraut. Dazu hat er auch guten Grund, denn bei vielen seiner Läufe wird Mixon bereits vor der Line of Scrimmage das erste mal berührt (Leider fehlen mir hier die genauen Zahlen). Die O-Line muss also auch ihren Beitrag dazu leisten, dass Mixon mehr frei Gaps bekommt und das Verteidiger weniger gut zu ihm durch kommen.
Im Passspiel war vergangen Woche vor allem eines auffällig: Gegen den Blitz und gegen Singel-High Strukturen funktioniert unsere Offensive sehr gut, da man sich so weniger auf die Playdesigns und mehr auf die individuelle Qualität der Spieler verlassen kann. Ähnliche Möglichkeiten dürften sich der Bengals Offensive auch gegen die Dolphins eröffnen. Dolphins DC Josh Boyer ist ein Freund des Blitzes und da haben wir schon zu oft erlebt, dass Burrow genau diese Herangehensweise bestrafen kann. Damit dies allerdings auch funktioniert, wird diese Woche auch mehr von unseren Receivern verlangt. Gegen ein starkes Dolphins Backfield können/müssen sie beweisen, aus welchem Holz sie geschnitzt sind.
Es war leider aber auch noch etwas anderes auffallend. Sobald die Jets angefangen haben mit 2 Tiefen Safteys zu spielen, stagnierte die Offensive rund um Joe Burrow deutlich. Hier muss Zac Taylor endlich Lösungen finden wie man diese Defensive gezielt attackieren kann. Es kann nicht sein, dass eine Defensive Struktur uns so einfach den Zahn ziehen kann. Ein Mittel dazu wäre das Rungame, weil du durch die zwei tiefen Verteidiger leichtere Boxes bekommst. Wenn allerdings vom Run keine Gefahr ausgeht, ist das halt ein schlechter Konter und die Safteys werden trotzdem hinten verweilen und auf den Pass spekulieren.
Keys to Victory
- Keine (Geburtstags)Geschenke verteilen: Sich nicht tief schlagen lassen von den beiden Speedstern. (Und wenn Geburtstagsgeschenke, dann nur an mich mit einem Sieg :D)
- Rungame muss eine echte alternative zum Pass werden, damit die Miami defensive sich nicht auf die Passverteidigung konzentrieren kann.
- Druck generieren: Auch ohne Dj Reader den nötigen Druck auf Tua generieren. Dies zwingt ihn zu hastigen (Fehl)Entscheidungen.
Who Dey!
🐅
Kommentare
Kommentar veröffentlichen