Ach ja das gute alte Training Camp. Die Zeit im Jahr, wo die sozialen Medien mit wacklig gefilmten Handyvideos von irgendwelchen 0815 Trainingcamp-reps überflutet sind und jeder Fan das Gefühl bekommt, dass dem eigenen Team dieser eine Rookie-Steal gelungen ist, der die Franchise wieder in glorreiche Zeiten führen wird. Bei den Bengals scheint sich dieses Jahr Princeton-WR Andre Iosivas für diesen Stereotyp zu empfehlen. Die Ausgangslage für ihn, diese Rolle einzunehmen war natürlich Perfekt: Ein profilierter Leichtathlet (7-Kampf scheint da sein Steckenpferd zu sein) aus der Akademisch sehr hoch angesehenen Ivy-league und dazu ein etwas exotisch klingender Name. Ne bessere Ausgangslage für einen Trainingcamp-Darling gibt es eigentlich nicht. Und Nein, ich möchte damit alles andere als die Leistung von Iosivas irgendwie kleinreden, er scheint gerade die Coaches, doch ziemlich zu beeindrucken aber dennoch möchte ich etwas auf das Bremspedal treten. Quizfrage; Wieviele der in den letzten 10 Jahren gepickten 6. oder 7. Runden Wide-Receiver konnten jemals eine 1000-Yard Saison hinlegen? Die Antwort ist überraschend einfach, es waren nämlich genau 0. Klar gibt es immer wieder Ausnahmen, Donovan Peoples-Jones von den Browns zum Beispiel, ist einer von vier Receivern, die es zumindest auf ne 750-Yard Saison geschafft haben. Das zeigt trotzdem einfach, wie unglaublich schwierig und lang der Weg eines solchen Spielers ist.
Und damit sind wir schon mittendrin in der Trainingcamp-Thematik. Was kann man also aus rund 2 Wochen Trainingcamp mitnehmen. Für mich sind da momentan zwei etwas gegenläufige Trends zu Beobachten:
Sorgen um die offensive Kadertiefe
Es ist ein leidiges Thema ständig über die Offensive-Line sprechen zu müssen aber leider ist diese Positionsgruppe auch neuerlich wieder ein Thema. Die Starting OL Mit Brown, Volson, Karras, Cappa und Williams dürfte die beste OL sein, welche Burrow in seiner Karriere vor sich hatte und trotzdem sitze ich hier und hab beim Thema O-Line ein schlechtes Bauchgefühl. Das liegt vor allem daran, was nach den fünf gesetzten Spielern kommt. Die Bengals hatten die letzten Jahren des Öfteren das Pech, dass sich wichtige Spieler der O-Liner sich schwerwiegender verletzt haben, was bei dem physischen Battle, welches sich O-Line und D-Line Snap für Snap liefern leider irgendwo auch mit dazu gehört. Somit mussten Back-ups wie Adeniji, Prince, Carman und Co plötzlich Starting-Rollen übernehmen und erfüllten diese mehr schlecht als Recht. Leider haben es die Bengals in der Offseason verpasst sich hier Competition für diese Spieler ins Camp zu holen, der einzig neue Name ist Tackle Cody Ford. In ersten Preseason Game gegen die Packers wurde dann mehr als offensichtlich, das bei vielen Spielern einfach die nötige Qualität fehlt. Gerade das Passblocking wirkte teilweise gegen Spieler 2. Garde der Packers desolat. Wenn sich also, so Gott bewahre, einer der Starter verletzen würde, rennt der Bengals-Quarterback wieder um sein Leben.
Apropos Quarterback, ich habe diesen Punkt extra auf die gesamte Offense ausgeweitet, da auch die Backup-Quarterbacks Browning und Simian sich alles andere als hervorgetan haben. Momentan scheint das Battle um die Nummer Zwei hinter Burrow eher darauf hinauszulaufen, wer weniger durch schlechte Plays auffällt, als der andere. Wenn Burrow mal tatsächlich für ein Spiel ausfallen sollte, dann wären wir ganz offiziell verloren.
Auch auf den anderen offensiven Positionen geht es ähnlich zu und her. Bei den Runningbacks werde ich das Gefühl nicht los, dass dem Kader ein gestandener Spieler neben Mixon ganz gut tun würde, da sich weder der explosive Evans noch Rookie Chase Brown grossartig in Szene spielen konnten. Auch bei den Tightends liest man nicht allzu viel positives. Starter Irv Smith scheint so seine Probleme mit den Backup-QBs zu haben und dahinter passiert nicht viel. Bezeichnend hierfür ist, das sich momentan mit Tanner Hudson ein Spieler in Szene setzten kann der seit 4 Jahren auf irgendwelchen Practice-Squads rumdümpelt und in seiner Karriere 15 Receptions gesehen hat.
Die einzige Position die hier für diesen Punkt bisschen rausnehmen wollen würde sind die Wide Receiver. WR4 Trenton Irwin liefert im Training Highlight um Highlight ab und auch die beiden Rookies Charlie Jones und der im Intro erwähnte Andre Iosivas fallen immer mal wieder durch gute Plays auf. Klar ist aber auch, das auch hier nach den Top3 ne klare Lücke herrscht, was ja irgendwo auch normal ist, wenn du zwei der besten Spieler der Position in deinem Team hast.
Die Safetys: Eine Positionsgruppe mit viel Upside !
Wenn man sich in der Offseason die Analysen der geschätzten NFL-Experten angehört hat, dann kam immer wieder diese eine grosse Frage auf: Können die Bengals die Abgänge von Jesse Bates und Vonn Bell kompensieren?
Eine durchaus berechtigte Frage, denn die Bengals verlieren mit diesen zwei Spielern einen enormen Erfahrungssatz, zusammengerechnet haben die Beiden knapp 200 Spiele NFL-Erfahrung! Das ist natürlich nicht etwas, was du ohne Weiteres einfach mit dem nächst besten Spieler ersetzen kannst. Genau aus diesem Grund haben sich die Bengals auch schon letztes Jahr im Draft auf ein solches Szenario eingestellt und mit Dax Hill einen Saftey in der ersten Runde geholt und mit Tycen Anderson in der 5. Runde gleich nachgedoppelt. Dieses Jahr kam als Veteran Free Agent Nick Scott von den Rams und in der dritten Runde des Drafts Jordan Battle aus Nick Sabans viel gelobter Alabama Defense hinzu. Die Bengals haben sich also durchaus auf diesen Umbruch vorbereitet. Die Frage die am Ende trotzdem stehen bleibt: Reicht das für ein Team das um den Super Bowl kämpft?
Umso bemerkenswerter, dass sich im ersten Preseason-Spiel gegen die Packers, vor allem diese Positionsgruppe in Szene setzten konnte. Dax Hill, der als einziger klarer Week1 Starter Snaps bekam, zeigte früh im Spiel ein unglaubliches Play, wobei er mit Hilfe seiner Geschwindigkeit und Athletik einen tiefen Ball von Jordan Love gerade noch so herunterschlagen vermochte. Sophemore Tycen Anderson war der grosse Star dieses Spiels. Mit 2 INT, eine davon als Pick-Six zum Touchdown zurückgetragen hinterliess er einen bleibenden Eindruck, allerdings musste man auch erwähnen, dass DC Lou Anarumo ihn auch für das eine oder andere lange Play verantwortlich machte. Auch bei Rookie Jordan Battle konnte man ganz klar die Anlagen erkennen, wieso ihn die Bengals in der dritten Runde des Drafts ausgewählt haben, aber auch bei ihm gab es dann doch das eine oder andere Missed-Tackle.
Insgesamt lässt sich also herausstellen das die Bengals sich viel Talent in den Saftey-Room geholt haben. Klar ist aber auch, das aus 2 Wochen Trainingcamp und einem Preseason-Spiel nicht wirklich viele Schlüsse für die Regular Season gezogen werden darf. Ich denke, der Take-Away hier dürfte sein, dass in der Saftey Gruppe definitiv Potenzial Steckt und es jetzt an den Trainern liegt dieses bis zum Start der Regular Season möglichst optimal auf den Platz zu bekommen.
Somit bleibt mir wie immer nur noch eines übrig:
WHO DEY!
🐅
(Andrea)
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