Meine Damen und Herren wir sind ganz offiziell in der schlimmsten Zeit des Jahres angekommen. Herzlich Willkommen im American Football Sommerloch! Ich habe ganz bewusst das Wort "American" noch zuvor gesetzt, weil ja jetzt im Sommer, die Hochzeit für den lokalen Football ist. Und grad ihr, meine Lieben deutschen Freunde habt da wirklich ein tolles und vielfältiges Angebot! Geht also raus und unterstütz euren lokalen Verein, ihr werdet bestimmt gefallen daran finden und sind wir ehrlich, Bier und Wurst schmeckt im Stadion oder am Sportplatz einfach am besten. Auch ich habe mir im übrigen vorgenommen, diese Saison endlich mal ein zwei Spiele lokaler Schweizer Football Teams anzusehen und mit dem neu gegründeten ELF-Team, den Helvetic Guards, bietet sich auch mir endlich eine gute Möglichkeit auf spannenden Football gleich um die Ecke.
Die Free Agency, der Draft, und der wahnsinnig überhypte Shedule-Release sind im Eiltempo gekommen und wieder gegangen. Ein guter Zeitpunkt um ein letztes Mal auf die Bengals Offseason zurückzuschauen. Für diesen Beitrag habe ich versucht herauszuarbeiten, welche Lehren man aus der Bengals Offseason ziehen kann. Wie ein weiser Mann* zu sagen pflegt: "In der Offseason zeigen uns die Teams ihr wahres Gesicht." Grund genug um diese mal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen!
Jugend forscht in der Defense
Es war DIE bestimmende Storyline rund um den Bengals-Draft dieses Jahr. Mit den ersten drei Picks im 23 NFL-Draft gehen die Bengals dreimal in die Defensive! Das hat der Konsens rund um die Bengals definitiv so nicht kommen sehen und war ein ähnlicher "Curveball" wie das OBJr-Signing in der FA, dazu aber später mehr. Ich war wirklich überrascht, dass diese Strategie für den Draft gewählt wurde. Ich war mir eigentlich sicher, dass nachdem der Draft schon letztes Jahr ziemlich defensiv-lastig war, die Bengals dieses Mal einen Premium-Pick (P1~P100) in die Offensive investieren würden. Die Tight-End-Position hätte sich hierfür mehr als aufgedrängt, aber die Bengals haben sich für einen anderen Weg entschieden.
Je länger man über diesen Bengals Draft nachdenkt, desto klarer zeigt sich die Strategie welche Duke Tobin und Co. verfolgt haben könnten. Steckt man diesen Draft nämlich mal in den Gesamtkader-Kontext, befindet sich in der Defensive plötzlich sehr viel junges Talent auf praktisch allen Ebenen der Verteidigung. Hinzu kommt, dass bald die Verträge von einigen Stützen in der Defensive auslaufen werden (Awusie, Hendrickson, Reader sind alle im letzten Vertragsjahr). Die Bengals haben in den vergangenen zwei Drafts versucht, sich auf diese Abgänge vorzubereiten, sodass für die anstehende Saison eine unglaublich tief besetzte und vor allem auch gut durchmischte Defensive entstanden ist. Neben den gestandenen Veteranen werden athletische junge Spieler in verkleinerten Rollen an die NFL herangeführt, damit diese perspektivisch übernehmen könnten. Wenn dieser Fall eintrifft, hat man plötzlich eine ziemlich junge und günstige aber athletische Defensive für die Saison 24/25.
Mich lässt der Eindruck nicht los, dass dies genau der beabsichtige Weg der Bengals war. In der Offensive stehen in ganz naher Zukunft wichtige Verlängerungen an, natürlich allen voran die von Joe Burrow. Aber auch Tee Higgins geht in sein letztes offizielles Vertragsjahr und bereits in der kommenden Offseason dürfte auch JaMarr Chase erste Ansprüche auf eine saftige Verlängerung stellen. Da kommt es gerade recht, wenn man auf der anderen Seite des Balles etwas sparen kann, ohne hoffentlich all zu viel Qualität zu verlieren. Natürlich ist diese Strategie auch ein Risiko, dass ist es immer irgendwo wenn man auf Draftpicks setzt. Hinzu kommt, dass jederzeit Defensiv-Guru Lou Anarumo als HC zu einem anderem Team abwandern könnte. Solange er aber noch da ist, bin ich aber überzeugt, dass er das beste aus all seinen Spielern herauskitzeln kann.
Auch Joe Burrow kommt auf seine Kosten
Da wir thematisch mittlerweile bei der Offensive angelangt sind, bietet es sich an zu meinem nächsten Punkt überzugehen und dieser ist eigentlich relativ simple: Joe Burrow ist nach wie vor Priorität 1 im Bengals Frontoffice.
Jetzt direkt nach dem Draft mag diese absolute Aussage ziemlich absurd klingen, aber wenn ich mir das Handeln der Bengals über die gesamte Offseason so anschaue, dann komm ich immer wieder zu genau diesem Fazit. Das mit abstand grösste Signing in der Free Agency war LT OBJr. En klares Statement dafür, dass man Joe Burrow weiterhin mit bestmöglichsten Spielermaterial beschützen wird. Verständlicherweise hat sich der bisherige LT Jonah Williams von diesem Move ziemlich überrumpelt gefühlt und wollte erstmal weg. Mittlerweile ist von teaminternen Quellen zu vernehmen, dass die Bengals Williams beruhigen konnten und er bereit ist, seine neue Herausforderung als RT anzunehmen. Somit hat das Bengals Front Office es geschafft, mit einem Move beide Tackle-Spots signifikant zu verbessern. Zugegebenermassen muss man festhalten, dass wir noch nicht wissen, wie sich Williams auf der neuen Seite schlagen wird, allerdings denke ich das es definitiv ein Upgrade ist, zu dem was die letzten paar Jahre auf RT rumgedümpelt ist. Joe Burrow erhält also eine bessere Line dank einer schlauen Free-Agency-Investition. Hinzu kommt, dass die Bengals bereit waren relativ viel Geld für Samaje Perine in die Hand zu nehmen, um die Passprotection auch von der RB-Position weiterhin auf einem guten Level zu halten. Leider hat sich Perine für den Neustart in Denver entschieden aber es zeigt für mich, dass die Bengals auch nicht davor scheuen einen RB2 zu bezahlen, um die Burrow die bestmöglichste Protection zugeben.
Auch wenn es einen anderen Anschein macht, auch im Draft wurde Burrow alles andere als vergessen. Gleich zwei neue Receiving-Waffen wählten die Bengals an Tag 3 des Drafts. Mit Charlie Jones kommt ein etwas älterer Receiver aus Purdue in die Bengals Offense. Mit 110 (!) Catches für 1361 Yards bewies Jones unglaublich sicher Hände und dürfte sich somit relativ schnell das Vertrauen von Burrow erarbeiten. Jones wird sich mit Irvine um den 4. Receiver Spot duellieren und könnte perspektivisch im Slot für Boyd übernehmen. Mit dem Ivy League Spieler Andre Iosivas haben die Bengals gleich ein zweites Mal in das Waffenarsenal rund um Burrow investiert. Iosivas ist ein freak Athleth und hätte nach eigner Aussage auch das Potenzial gehabt sich bei Olympia zu beweisen, entschied sich aber für den Football. Iosivas ist noch ein Projekt, das des Football-Level in der Ivy League einfach deutlich geringer ist. Wenn er jedoch seine Athletik irgendwann auch in der NFL auf den Platz bringen kann, könnte er sich zu einer sehr gefährlichen Anspielstation entwickeln.
Was sonst noch so auffällt
Neben den beiden grossen Take-Aways habe ich noch ein zwei kleinere aber ebenso bemerkenswerte Punkte, welche hier noch stichpunktartig anbringen möchte:
- Die Bengals geben keine 3. Verträge raus
Was von Jahr zu Jahr deutlich wird, ist das die Bengals wenig bis kaum daran interessiert sind 3. Verträge für alternde Spieler herauszugeben. Dieses Jahr hätte es beispielsweise mit Vonn Bell durchaus Kandidaten gegeben wofür man dieses Mantra hätte brechen kennen und doch haben sich die Bengals dagegen entschieden. Schade um Bell, denn ich denke seine Erfahrung hätte dem Defensiv-Backfield mehr als gut getan.
- Die Bengals draften nicht nach "Need"
Spätestens der Jordan Battle Pick in der dritten Runde ist der beweis für mich, dass die Bengals im Draft einfach nach ihrem Board draften ganz egal, ob die Position ein "Need" ist oder nicht. Jeder von uns hat spätestens an dieser Stelle einen Tight End erwartet aber die Bengals picken Saftey obwohl sie grade in der FA Nick Scott verpflichtet haben. Auch in den Interviews nach dem Draft mit den Entscheidungsträgern wird immer wieder diese Draft-Herangehensweise betont. Die Bengals Picken den Spieler, der sie zu diesem Zeitpunkt noch am höchsten auf ihrem Board haben. Punkt. Für kommende Draft-Previews versuche ich mir das im Hinterkopf zu behalten und werde künftig eher versuchen herauszufinden, welche Spieler zu den Bengals fallen könnten statt welche Spieler need-technisch zu den Bengals passen würden.
- Joe Mixon ist nach wie vor RB1
Die ganze Offseason lang gab es heftige Diskussionen rund um Joe Mixon. Neben dem Platz fällt er immer wieder wegen den falschen Dingen auf, auf dem Platz hat seine Leistung merklich nachgelassen, in Pass-Protection nehmen sie ihn gar vom Feld und er wird nächstes Jahr mit 12.5 Mio in den Büchern stehen. Dass alles wäre für mich deutlich Grund genug, um einen Neuanfang auf der RB-Position einzuleiten. Mittlerweile haben wir Juni und Mixon strahlt immer noch fröhlich über den Trainings-Platz, wie er es immer tut. Weder im Draft noch in der Free Agency hat man hohe Ressourcen in einen RB gesteckt, was für mich ein klarer Vertrauensbeweis zu Mixon darstellt, auch wenn es diese Offseason schon deutlich anders klang. Mit Chase Brown hat Mixon zwar einen neuen Partner an die Seite bekommen, aber Gefahr für den RB1-Spot geht von Brown denke ich erst mal weniger aus. (Wieso habe ich das Gefühl, dass ich diese Aussage noch bereuen werde?)
Somit bleibt mir wie immer nur noch eines übrig:
WHO DEY!
🐅
(Andrea)
*P.s. vielleicht schon bald bei eurem Podcast des Vertrauens zu hören ;)
Kommentare
Kommentar veröffentlichen