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Free Agency Recap: Glass Eater !

Lange lange ist es her seit wir uns hier das letzte Mal gelesen haben! Seither ist viel Wasser den Rhein hinunter geflossen wie wir hier in der Schweiz zu sagen pflegen. Auf privater Ebene bei mir und auch auf sportlicher Ebene bei den Bengals sind doch einige Dinge passiert, welche die jeweilige Welt mehr oder weniger in Bewegung gebracht haben. Persönlich hatte ich wieder ein Mal mit dem Studium zu kämpfen währenddessen die Bengals versuchten ihr Schiff durch eine der wildesten Phasen der NFL-Saison, nämlich den Start des neuen Liga Jahres und die damit verbundene Free Agency, zu manövrieren. Und genau darum solls heute gehen. Knapp zwei Wochen vor dem NFL-Draft schauen wir ein letztes Mal zurück auf Teil 1 der 2023 Bengals-Offseason und legen damit eine optimale Grundlage für das dominierende Thema der nächsten paar Wochen: den NFL-Draft!


Der Big Splash: Orlando Brown Jr. ist ein Bengal

Als Bengals-Kenner vor dem Start der Free Agency über mögliche Free-Agency-Ziele diskutiert haben, hatte niemand nur ansatzweise einen Gedanken daran verschwendet, dass die Bengals den Top O-Liner der Free-Agency-Klasse zur Unterschrift bringen würden. Wieso den auch? Brown wurde als die klare Nummer 1 bei den Tackles angesehen und durfte dementsprechend eine grossen Zahltag erwarten. Die Bengals frisch von einer Offseason in der sie gleich am ersten Tag zwei Veteran O-Liner verpflichtet haben, würden kaum ein Jahr später schon wieder den Geldbeutel für diese Position soweit aufreissen. 

Aber wie so oft in den letzten Jahren bewiesen uns die Bengals einmal mehr Lügen strafen. Mehr oder weniger aus dem nichts erreichte uns am frühen Donnerstagmorgen die Nachricht der Insider, dass sich die Bengals mit Star-LT Orlando Brown Jr. einig wären. Diese Nachricht allein brachte meine Twitter-Timline schon zum explodieren als dann im Verlaufe des Tages aber die Vertragsdetails deutlich wurden, war die Sensation perfekt. Die Bengals konnten mit OBJr einen Vertrag deutlich unter Marktwert aushandeln und bezahlen ihm für die für die nächsten 4 Jahre knapp 16 Mio im Jahr (Experten sagten vor der Free Agency eine Vertrag zwischen 22-20 Mio / Jahr für OBJr voraus). Damit Brown diesen Vertrag so in dieser Form annahm, war allerdings einiges an Geld-Spielereien nötig: Um den Vertrag saftig zu machen erhielt Brown die grösste garantierte Summe, die ein Tackle bis jetzt gesehen hatte. Eine Hürde welche die, Bengals gerne genommen haben, um den Vertrag schlussendlich ans sichere Ufer zu bringen. 

Dieser Move wurde in der Nachbetrachtung von Experten oft als DER Steal der Free-Agency bezeichnet und auch ich bin immer noch ziemlich baff wie das alles so zustande gekommen ist. Wie man in der Nachberichterstattung erfahren konnte, war es nämlich der Agent von Brown selbst, welcher sein Schützling bei den Bengals angeboten hat und nicht wie üblich umgekehrt. 

Wenn man versucht, diesen Move in eine etwas grösseren Kontext zu setzen, dann wird für mich als Bengals-fan und Analyst eines klar: Die Bengals fühlen sich nach wie vor zu 100% verpflichtet Joe Burrow die best-möglichste Grundlage für Erfolg zu geben und die Bengals wissen ganz genau, dass jetzt der Zeitpunkt ist mit einem weiterem "Glass-Eater" das Super-Bowl-Fenster so weit wie möglich aufzureissen. Druck auf Joe Burrow war in den letzten Jahren DAS grosse Thema, was die Bengals am grossen Erfolg gehindert hat und trotz vielen teuren Investitionen werden die Bengals nicht müde dieses Thema weiter zu adressieren. Hut ab von dieser Selbsteinschätzung. Im übrigen für mich einer der Bereiche, welcher erfolgreiche von erfolglosen NFL-Franchise trennt. 


CC @Bengals on Twitter
CC: Bengals on Twitter

Neue Gesichter auf beiden Seiten des Balles

Neben dem grossen neu Signing haben die Bengals ihr Kader mit vielen weiteren kleinere Neuverpflichtung ergänzt. 

Zu aller erst haben sich aber die Bengals um einen eigenen Name gekümmert: LB Germaine Pratt hat bei den Bengals für einen zweiten Vertrag unterschrieben und erhält nun in den nächsten drei Jahren 7 Mio pro Saison. Somit konnten die Bengals ein wichtiges Puzzelstück der Lou Anarumo-Defensive langfristig binden. Pratt fiel zuletzt immer wieder durch wichtige BigPlays auff und war derjenige, welcher den Bengals mit seiner INT ihren ersten Playoff-Sieg seit einer gefühlten Ewigkeit bescherte. Zusammen mit Logan Wilson bildet er somit auch für das kommende Jahr ein überdurchschnittliche Linebacker-Duo für die Bengals. Aber auch komplett neue Namen spielen künftig in Streifen. So versucht man mit dem athletischen S Nick Scott die entstanden Lücke im Backfield zu stopfen und mit CB Sidney Jones hat man einen erfahrenen Corner für die Tiefe verpflichtet, welcher aller Wahrscheinlichkeit nach die Rolle vom kontrovers diskutierten Eli Apple einnehmen wird als erste Ersatz hinter den beiden Startern  Awuzie und Taylor-Britt. Zudem hat man mit EDGE Terelle BAsham noch etwas für die Roattion im Passrush getan, allerdings ist das auch schon alles was ich zu ihm sagen kann.

Auch auf der Offensiven Seite des Balles dürfen wir uns über ein neues Gesicht freuen! Wieder ein mal haben die Bengals einen neuen Tight End und wieder einmal unterschreibt er bei den Bengals einen Einjahres Vertrag. Irv Smith Jr ist ein ehemaliger 2. Rundenpick der Vikings und wurde vor dem Draft vor allem für seine Herrausragende Athletick sher hoch gehandelt. In der NFL zeigte er verheissungsvolle Ansätze doch zuletzt plagten ihn leider  immer wieder gewichtige Verletzungen, weswegen er seiner Draft-Evaluation noch einiges schuldig geblieben ist. Bei den Bengals hofft er (und die Bengals) seine Karriere wieder auf Vordermann zu bringen und sich nächste Offseason für einen grösseren Zahltag zu empfehlen. Die Bengals schliessen damit vorerst eine klaffende Lücke in der Offensive und verhindern mit diesem Signing in erster Linie, dass man mit einem klaren Tightend-Need in den Draft geht. Neben Irv Smith Jr haben die Bengals einige Veteranen wieder zurück an Board gebracht. RB Trayveon Williams, WR Trent Taylor, G Max Scharping und TE Drew Sample erhalten alle neue Arbeitspapiere bei den Bengals. Alles in Allem kann man aber sagen, dass diese Name eher der Kadertiefe dienen. Einzig RB Williams ist nach dem Abgang von Perine evt. für eine etwas grössere Rolle bestimmt. 

Und frei nach dem Motto: "Longsnapper are People to" sollte hier auch die Einjahresverlängerung mit LS Cal Adomitis nicht unerwähnt bleiben.

Die Kehrseite der Free-Agency-Medaille

Leider bedeutet Free Agency wie immer auch das Abschied nehmen von liebgewonnen Veteranen. Dieses Jahr mussten wir uns von S Jessie Bates, S Von Bell, TE Hayden Hurst und RB Samaje Perine trennen. Wenn man sich diese Namen so durchliest, dann sind das durchaus gewichtige Abgänge. Alle Vier waren wichtige Starter oder im Fall von Perine wichtige Ergänzungsspieler mit einer klar definierten Rolle. Grade auf Safety wird die Absenz von Bates und Bell nicht unbemerkt bleiben. Zwar hat man sich mit Dax Hill letztes Jahr in der ersten Runde des Draftes bereits auf diese Situation vorbereitet, dass aber gleich beide gehen würden, war dann schon eher eine Überraschung. So fehlt es den Bengals im Defensive Backfield plötzlich an Erfahrung. Man darf gespannt bleiben wie sich dieser Umstand auf Anarumos hochgelobte Defense auswirken wird. Auf der offensiven Seite des Balles verlieren die Bengals mit Hurst und Perine vor allem zwei wichtige Rollen Spieler. Gerade auf Perine wurde in den aller wichtigsten Momenten immer wieder vertraut und Hurst hat neben der ganzen Star-Power, welche die Bengals-Offense prägt, mit seiner verlässlichen und kämpferischen Art und Weise perfekt ergänzt.


Auswirkungen auf den Draft

Alles in Allem haben die Bengals eine solide Free Agency hingelegt und uns wieder einmal mehr als nur überrascht. Das Vorgehen in der Free Agency ist deshalb so wichtig, weil es zugleich auch die Ausgangslage für den Draft darstellt. Was die verschiedenen Neuankömmlinge und Abgänge für die Draftstrategie der Bengals bedeutet, wird dann Thema im nächsten Artikel über die Draft Needs sein.


Somit bleibt mir wie immer nur noch eines übrig:


WHO DEY!

🐅

(Andrea)





 









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