Direkt zum Hauptbereich

Week 15 Review: Von Druiden und Weihnachtsmännern

Die Kick-Off Zeit um 22.25 Uhr hat sich wieder einmal als recht heimtückisch erwiesen. Das Spiel beginnt um 22.30 und ehe du dich versiehst ist plötzlich 02:00 Uhr in der Nacht und du gehst mit der Aussicht auf knapp vier Stunden Schlaf ins Bett. Acht Arbeitsstunden und ein halbstündiges Eindösen später sitze ich nun hier und verfasse diese Zeilen, doch ganz hab ich immer noch nicht verarbeitet, was gestern Nacht genau passiert ist. Die Cincinnati Bengals schlagen die Tampa Bay Buccaneers Auswärts mit 34 zu 23 und haben mit diesem Spiel ihren Teil zu einem der wildesten NFL-Wochenenden seit langem beigetragen. Es war ein ein Spiel der zwei Hälften. In der ersten ersten Hälfte dominierte die Buccs Offensive und in der zweiten Hälfte dominierte die Bengals Defensive aber lasst uns hier fürs erste stoppen und ihn die tiefere Analyse übergehen.


Wieder ein Mal ein langsamer Start

Es scheint ein bisschen zu einem Markenzeichen der Bengals zu werden. Entweder die Bengals legen los wie die Feuerwehr und überrennen ihre Gegner komplett oder Joe Burrows Pass wir im ersten Drive an der Line of Scrimage getippt und intercepted und dann geht für die Bengals Offensive erst Mal lange gar nichts mehr. Letzteres so auch geschehen diese Woche. Die Bengals Offensive findet mit den gescripteten Plays im ersten Drive schnell einen Rhythmus bis es eben ein gegnerischer D-Liner wieder schafft, mit seinen hochgerissenen Armen einen Ball abzulenken, welcher dann genau bei einem Tampa-Bay Spieler landet. Von diesem Play an ging in der ersten Hälfte wenig bis gar nichts mehr für die Bengals Offensive, geschuldet einer ziemlich mauen O-Line Perfomance und Receiver die überraschend viel Mühe mit den Cornerbacks der Buccaneers hatten. 

Gerade der O-Line wurden gestern Nacht vor allem im Passblocking die Grenzen aufgezeigt. Die O-Liner der Bengals hatten sichtlich Mühe, die verschiedenen Blitzpackete der Buccs-Defensive zu erkennen aber auch auf individueller Ebene wurden mehrere Matchups deutlich verloren. Und auch in ihrer Stärke, dem Runblocking, war die erste Halbzeit wenig von Erfolg gekrönt, allerdings konnte man sich zumindest hier in der zweite Hälfte deutlich steigern.

In meinen Keys-to-Victory habe ich davon gesprochen, dass es für die Bengals wichtig werden könnte, die individuellen Matchups auf den Aussenpositionen für sich zu entscheiden. Leider waren die Cornerbacks der Buccaneers mit einem perfekten Plan ausgestattet und konnten so das Leben der Bengals Receiver ziemlich schwer machen. Die Buccaneers haben eigentlich das ganze Spiel über versucht, mit ihren Cornerbacks sehr aggressive und enge Man-Coverage zu Spielen und so den gewieften Bengals Receivern kaum den Platz gegeben ihre Routen zu laufen. Die Gefahr bei diesem Gameplan ist natürlich, dass du dich so viel eher zu einer Strafe hinreissen lässt und so hatte zumindest ich das Gefühl, dass die Buccaneers in diesem Aspekt mehr als einmal ungeschoren davon kamen. Grundsätzlich muss man aber doch anerkennen, dass die Cornerback-Gruppe von Tampa Bay ein echt gutes Spiel gemacht hat. Als Beobachter Frage ich mich allerdings, ob diese enge Man-Coverage der Buccs ein Plan ist, der in Zukunft noch mehr Teams gegen uns versuchen werden oder ob die Gegner dann doch zu viel Respekt davor haben, im Eins gegen Eins geschlagen zu werden.

Lou Anarumo der Druide und Tom Brady in der Rolle des Weihnachtsmann

Die zweite Hälfte des Spiels schrieb eine schier unfassbare Story. Lou Anarumo gab seiner Defensive in der Halbzeit wieder seinen berühmt berüchtigten Resilienz-Trank und erinnert mich mittlerweile immer mehr an den Druiden aus Asterix und Oblix, der den Galliern jeweils vor der Kampf gegen die Römer seinen Zaubertrank verabreicht. Anders kann ich es mir mittlerweile echt nicht mehr erklären, wie Lou das einfach von Spiel zu Spiel hinbekommt, in der Halbzeitpause jeweils genau die richtigen Schalter bei seiner Defensive zu drücken. 

Die Bengals Defensive kam also wie die Feuerwehr aus der Pause und Tom Brady wähnt sich in seinem roten Trikot plötzlich in der Rolle des Weihnachtsmann und meinte grosszügig Geschenke verteilen zu müssen. So endete Drive um Drive in einem Turnover für die Bengals Defensive. Mal durch schlechte Plays der Buccaneers Mal durch genial reagierende Bengals Verteidiger. Insgesamt 5 (!) Turnover in Folge konnte sich die Bengals-Defensive erspielen und servierte so der Bengals Offensive das Spiel auf dem Silbertablett. Diese unglaubliche Serie hatte den Umstand zur Folge, dass das komplette dritte Viertel in der Spielplatzhälfte der Buccaneers stattfand. Kein einziger Snap oder Spielzug sollte jenseits der 50-Yards Linie stattfinden.

Es ist ziemlich schwierig einzelne Spieler in der Defensive hervorzuheben. Was mich mit am meisten überrascht bei dieser Bengals-Defensive ist, wie gut wir wichtige Ausfälle kompensieren können. Unsere Nummer Eins Cornerback ist Out for Season? Macht nichts der Eli Aple und CTB regeln das. Trey Hendrickson fehlt? Joseph Ossai und BJ Hill regeln das. Sam Hubbard fällt auch noch aus? Cam Sample ist da. Cam Tylor-Britt muss verletzt raus? Allan George lässt sich von Tom Brady nicht an der Nase rum führen. Diese Kadertiefe ist einfach echt erstaunlich und das wichtigsten daran: Alle machen Plays. Wenn mal ein wichtiger Leistungsträger ausfällt, dann sind mindestens drei andere da und machen geile Plays. Das ist als Fan wirklich toll mit anzusehen und zeugt einfach auch von einem unfassbar gutem Teamspirit. Jeder geht für jeden und jeder gibt immer 120% Einsatz. So, wie es sein sollte, wenn du nachhaltig Erfolg haben willst.

Somit bleibt mir wie immer nur noch eines übrig: 

WHO DEY!

🐅

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Draft Preview: Diese Rollen müssen die Bengals besetzten!

Ach ist es nicht schön...Die Natur wacht nach einem langen Winter auf, der Frühling setzt ein, das Wetter wird wärmer und die Menschen strömen wieder in scharen nach draussen, um Eis zu essen und sich sportlich zu betätigen. Und wie beschäftigt sich der durchschnittliche NFL-Fan die Tage? Genau er hockt am Computer, klickt sich durch etliche 200-Seitige NFL-Draft-Guides und hat die frohe Aussicht auf einige lange Football-Nächte die im emotionalen Höhepunkt eines von Rodger Godell vorgelesenen Namen münden. Okay, sind wir mal ehrlichen, ganz so nerdig wie bei mir wird es bei den meistens von euch nicht zu und her gehen aber dennoch zieht uns den NFL-Draft Jahr für Jahr in seinen Bann. Der Draft ist für mich in dieser Hinsicht wirklich ein Phänomen, denn die NFL-Berichterstattung kennt seit Wochen kein anderes Thema, um die ganze Thematik ist mittlerweile eine ganze eigene Industrie entstanden und die Gerüchteküche brodelt selten so hoch wie kurz vor dem Draft. Und genau um denn soll es...

Themenhaufen: Verletzungen, Rungame, Offensive Ansätze, AFC North Rundschau

Normalerweise seid ihr es gewohnt zum Start der Woche eine Review des vergangenen Spieltags zu lesen. Da die Bengals in dieser Spieltagswoche aber ihr Soll bereits in der Nacht von Donnerstag auf Freitag erfüllt haben, können wir diesen Slot nutzen um das eine oder andere Thema aufzugreifen. Der Themenhaufen ist eine bunte Sammlung von kleineren und voneinander unabhängigen Themen, die es aber trotzdem Wert sind, dass sie hier auf dem Blog mal Erwähnung finden. Zudem könnte der Blog, neben den ganzen Previews und Reviews, etwas mehr Vielfalt vertragen. Wieso also nicht mal etwas unkoordinierter drauf los? Medical Update Anfangen möchte ich mit einem kleinem Medical-Update. Verletzungen sind leider ein grosser Teil im American Football und jede Saison gehört auch etwas Glück dazu, dass deine Schlüsselspieler fit bleiben. Die Chargers können da ein Lied von singen. Folgende Spieler sind bei den Bengals von Verletzungen geplagt: Auf der Injured/Reserved Liste:  - DT Dj Reader: Es wird...

Offseason Deepdive (2/3): Wichtige Personalentscheidung

Gestern war der erste Streich der zweite folgt sogleich. Anders als Max und Moritz hoffe ich das die Cincinnati Bengals keine Lumpereien im Kopf haben, wenn es um die anstehende Free Agency geht. In Teil 1 haben wir mit einem letzten Blick zurück auf das was war, die Grundlage gelegt, um jetzt gefestigt nach vorne schauen zu können. In 2 Tagen ist der Start der der "Legal Tampering Period" Ab diesem Zeitpunkt an, dürfen Teams ganz offiziell mit allfälligen Neuverpflichtungen in Kontakt treten. Bis dahin täten die Bengals gut daran, einen klaren Plan für die vermutlich wildeste Woche des NFL-Kalenders zu haben. Ansonsten könnten sie am Ende der Woche in der Mühle landen. Max und Moritz wissen, wo von ich spreche. Wer darf bleiben, wer muss gehen ? Lasst uns also keine Zeit mehr mit Kindergeschichten verlieren und widmen wir uns dem seriösen eiskalten Business. Für die Bengals stehen einige schwierige Entscheidung an, da einige Säulen des Erfolgs der vergangene Jahre für das nä...