Diese Woche war mental, aufgrund einiger privater Dinge, recht schwierig für mich, weswegen ich erst spät meine Gedanken bezüglich der Bengals sortieren konnte. Die aktuelle Situation rund um das Team und vor allem der Auftritt am Montag verlangen es aber fast schon, dass sie nicht totgeschwiegen werden können. Deshalb nun endlich meine Einschätzung der Lage. Viel Spass beim Lesen und meldet euch gerne im Kommentarfeld (Ja es gibt eins und das kann mach auch benutzten :D) und schreibt wie ihr die aktuelle Lage so einschätzt.
Jeder von uns geht anders mit frustrierenden Niederlagen um. Die einen hauen sich auf Twitter/Facebook die Tasten wund, die nächsten sehen nur das Schlechte und die anderen suchen Abstand. Ich persönlich gehöre eigentlich zu letzteren. Immer wenn ich von den Bengals enttäuscht wurde, hab ich mich eine Woche lang vom Team distanziert, kaum Podcasts gehört oder News gelesen, mich anderen Interessen wie Fussball, Eishockey und Wrestling gewidmet. Dieses Jahr ist dies Aufgrund von diesem Blog hier nicht mehr möglich und ich darf mich auch in diesen Wochen mit dem Team und der Franchise auseinandersetzten. Und versteht mich nicht falsch, die Sache hier bereitet mir sehr viel Freude, die Bengals sind eine grosse Leidenschaft von mir und ich stecke sehr viel freie Zeit in den Blog und mein Fantum. Vielleicht ist das dann auch der Grund wieso ich nach solchen haarsträubenden Niederlagen immer als erstes den Abstand suche. Um aufs sportliche zu kommen: Die Bengals verlieren das Monday Night Game gegen ein AFC North Rivalen in deutlicher Manier, die Raubkatze von letzter Woche wird zum Stubentiger. Die Bengals stehen jetzt bei einem Rekord von 4-4, innerhalb der AFC North 0-3. Der Traum von der Back-to-Back Division Titel Verteidigung rückt damit in weite Ferne.
Kryptonite
Ich bin ja alles andere als ein Kenner was Superhelden und das ganze drum herum angeht. Zumindest weiss ich soviel, dass der/das Kryptonit die grosse Schwachstelle von Superman ist. Auch die Bengals haben solche Schwachstellen und im Monday Night Game haben sich gleich alle drei dieser Kryptonite mehr als deutlich gezeigt:
1. Die grosse Abhängigkeit vom Game Skript
Die Bengals wollen ein Passing Team sein und das ist mit dem Personell, welches man beherbergt, mehr als verständlich. Wenn alle Spieler fit sind, hat man eines der besten Receiving-Corps der Liga, dann sollte man sich als Offensive auch darauf fokussieren. Diese Herangehensweise bringt aber einen grossen Nachteil mit sich. Man macht sich defensiv unglaublich angreifbar, sobald man einem Rückstand hinterherrennen muss. Gegnerische Defensiven wissen, dass wir dann in schwierigen Situationen immer den Pass suchen und können so geeignete Coverages und komplizierte Pass-Rush Systeme aufs Feld schicken und so der Bengals Offennsive relativ simpel den Zahn ziehen. Jetzt ist es mir auch klar, dass dieser Punkt natürlich ein bisschen ein Totschlagargument ist. Für praktisch jede NFL-Offensive ist einfacher mit einem Vorsprung im Rücken zu spielen, statt einem Rückstand hinterher zu rennen aber gerade bei den Bengals habe ich das Gefühl, dass Aufgrund des mangelnden Laufspiels ein Rückstand noch schwieriger zu bewältigen ist.
2. Zac Taylors Sturheit
Zac Taylor ist ein genialer Coach, versteht mich nicht falsch. Ihm ist es zu verdanken, dass in Cincinnati die nötige Kultur aufgebaut wurde, die beinahe einen SuperBowl ermöglichte. Er hat viele neue Wege geprägt und die Franchise auch ein klein wenig modernisiert. Bei einem gewissen Punkt reiht sich aber Zac Taylor bestens in den "Stallgeruch" der Franchise ein und das ist, wie im Titel zu lesen, seine Sturheit. Hierfür habe ich aus dem Monday Night Game zwei Beispiele mitgebracht.
Das erste Beispiel hierfür wäre das RPO-Spiel. RPO steht für "Run Pass Option" es ist meist ein Spielzug der als Lauf im Huddle ausgerufen wird aber auch eine Passoption mit eingebaut hat, funktioniert aber auch anders rum (Also Passspielzug mit eingebautem Runblocking). Diese Spielzüge waren zuletzt ein elementarer Bestandteil der Bengals Offensive und Joe Burrow war sehr gut darin, diese umzusetzen. Auch Montagnacht hat man gerade im ersten Drive immer mal wieder ein solches Play mit eingebaut. Leider war auch die Interception von Joe Burrow, welche dem Spiel eine massgebende Richtung geben sollte, ein solches Play. Dies veranlasste Zac Taylor dazu, dieses Konzept im Rest des Spiels komplett zu vernachlässigen, obwohl es zuletzt so gut für diese Offensive funktioniert hat. Muss man nicht verstehen, zumal die INT ziemlich glücklich zustande kam und keinesfalls mit dem Playdesign zu tun hatte.
Das zweite Beispiel das ich anbringen möchte wäre der Einsatz von Chris Evans und in Teilen auch Samje Perine. Chris Evans machte gleich zu Beginn des Spiels einen genialen Catch an der Sideline, danach war er nicht mehr oft gesehen. Samaje Perine war im letzten Spiel nicht nur der auffallend bessere Passblocker als Mixon, er wusste auch mit den Laufspielzügen besser etwas anzufangen. Statt das man hier mal anderem Personell eine Chance gibt, läuft man 8-10 mal den Ball, sagt sich das des Laufspiel nichts bringt und gibt es komplett auf. Man weigert sich also also bewusst dagegen, anderen Spielern eine Chance zu geben und schreibt lieber das Laufspiel komplett ab, statt das man versucht ihm neu Impulse zu geben. Schwierig.
3. Abhängigkeit von Big Players und Big Plays
Diese Offensive und mit Abstrichen auch die Defensive ist Abhängig davon, dass ihre grossen Spieler grosse Plays machen. Gerade das Offensive-Scheme (Für eine genauere Erklärung gern den Spurensuche-Artikel lesen) bietet der Offensive nicht genügend Struktur, sodass es ohne diesen grossen Momente nur selten wirklich gut funktioniert. Wenn die Bengals diese BigPlays nicht haben können, ist es haarsträubend, wie auffällig wenig von dieser Offensive kommt. Genau das hat man im letzten Spiel aber sowas von gemerkt. In der ersten Halbzeit reihte die Offensive ein Three-and-Out aufs andere und es war wirklich nicht schön mit an zusehen. Es schien so, als wurde der Offensive den Boden unter den Füssen weggezogen. Und diese Abhängigkeit von den BigPlays macht dich dann umso mehr anfällig, wenn deine Big Play Spieler ausfallen. Dj Reader, JaMarr Chase und Chidobe Awuzie um einige dieser Spieler zu nennen, die so wichtig sind für dieses Team. Es wäre schön, wenn man die aussergewöhnlichen Fähigkeiten solcher Spieler auf ein gutes Scheme draufpacken könnte. So hingegen wie es jetzt ist, klappts meistens nur wenn diese Spieler zum einen Verfügbar sind und zum anderen auf ihrem gewohnt hohen Niveau spielen. Nur sind diese Spieler leider alle länger raus und dann kriegt man das Resultat was wir Montagnacht bekommen haben: ein Disaster.
Wie Weiter?
Diesen Sontag spielen die Bengals endlich mal wieder zu einer humanen Uhrzeit um 19.00 Uhr. Die Carolina Panthers kommen zu besuch ins Paycore Stadion und ihr glaubt nicht wie froh ich bin, endlich wieder den Namen des Gegnerteams auszuschreiben. Die ganzen Umschreibungen zu finden war dann doch auf Dauer etwas mühsam😅.
Unterdessen hat sich bei den Bengals ein gesamtes Lazarett von verletzten Spielern angesammelt. JaMarr Chase, Dj Reader, Chidobe Awuzie, Mike Hilton, Josh Tupou, Sam Hubbard, Tre Flowers, Stanley Morgan und Eli Apple sind alles Namen die unter der Woche auf dem Injury Report aufgetaucht sind. Definitiv out für das Spiel am Sonntag sind Chase, Awuzie, Hilton und Tupou und das bringt gerade die Cornerback-Gruppe ziemlich in die Bredouille. Apple, Taylor-Britt und Davis im Slot werden die Bengals Starting-Cornerbacks sein. Wenn das nur mal gut geht.
Hinzu kommt, das man die Panthers Offensive keineswegs zu unterschätzen ist. Seit PJ Walker das Zepter übernommen hat, wirkt diese Offensive deutliche runder und ist auch wieder zu einigen starken Passspielzügen fähig. Mit Dj Moore und Terrace Marshall Jr. bringt Carolina ein durchaus schlagkräftiges Waffenarsenal mit sich, gegen die sich unsere Cornerbacks erst einmal beweisen müssen.
Auch defensiv können die Carolina Panthers ein ungemütlicher Gegner werden. Die Panthers befinden sich im Rebuild und setzten deshalb auf viele junge Spieler. Edge Rusher Brian Burns ist einer dieser Spieler. Es wurde eigentlich erwartet, dass Burns noch bis zur Trade-Deadline weggetradet wird, allerdings sahen die Panthers ihn als zentrales Puzzelstück für ihren Rebuild an und wollen weiterhin auf ihn bauen. Auch bei den Cornerbacks spielt junges Blut. Jaycee Horn und CJ Henderson sind ein CB-Duo mit zuletzt starken Leistungen und vor allem mit noch sehr viel Potential. Grundsätzlich müsste die Bengals Offensive aber gegen diese Defensive Antworten finden können, aber dieser Gedanke hat mich zuletzt schon zu oft fehlgeleitet, um wirklich daran zu glauben.
Und was gilt es für die Bengals zu bewerkstelligen? Die Bengals müssen irgendwie wieder den Boden unter den Füssen finden. Cincinnati muss versuchen, mit einfachen aber effektiven Plays der Offensive wieder eine Grundlage zu geben, auf der man aufbauen kann. Dazu wäre es vielleicht hilfreich, wenn man dem Laufspiel eine faire Chance gibt sich zu etablieren und wenn man sich auf die Dinge beruht, welche zuletzt gut funktioniert haben. Das könnte beispielsweise die Shotgun Offensive sein, das könnten die RPO-Spielzüge sein oder das könnten der Tight End Hayden Hurst sein, welcher am letzten Monatg sträflich vergessen wurde, wie ich finde.
Defensiv muss man schauen, dass man irgendwie die vielen Verletzungen kaschieren kann. Hierfür muss man sich auch auf einige Rookies verlassen. Spieler wie Zach Carter, Cam Taylor-Britt oder Dax Hill müssen beweisen, aus welchen Holz sie geschnitzt sind und das sie ihre hohen Draft-Picks wert waren. Zudem wäre es sicherlich von Vorteil, wenn man endlich etwas mehr Druck auf die gegnerischen Quarterbacks ausüben könnte. Zuletzt hatte ich das Gefühl das der Passrush zwar bemüht ist, man aber kaum wirklich gefährlich Pressure generieren konnte.
Somit bleibt mir wie immer nur noch eines übrig
WHO DEY!
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