Puh! Wie schon eigentlich die ganze Saison, halten uns die Bengals auch diesen Sonntag wieder bis zur letzten Sekunde auf Trab. Auch gegen die Saints verkam das Spiel, zumindest für mich als Fan, wieder zur Nervenschlacht. Die Bengals, die auch in diesem Spiel wieder mit haarsträubenden Startschwierigkeiten zu kämpfen hatten, lagen praktisch das ganze Spiel zurück. Erst spät im vierten Viertel, mit noch knapp 2 Minuten auf der Uhr, konnten sich die Bengals durch den 60 Yards JaMarr Chase erstmals die Führung erkämpfen und diese sollte sie dann auch nicht mehr wieder hergeben. Die Bengals schlagen somit in JaMarr Chase's Heimatstadt die Saints mit 30 zu 26 und stehen jetzt mit einem 3-3 Rekord wieder an der geteilten Spitze der AFC-North. Wir können unsere Alarmglocken also wieder eine Stufe zurückfahren. Noch ist nichts verloren, aber noch ist auch nichts gewonnen!
Doch auch dieses Spiel bietet wieder seine Storylines. Darum lass uns doch genau über diese noch ein wenig sprechen:
Wie in alten Zeiten
Joe Burrow und JaMarr Chase fühlten sich in Luisana sichtlich wohl. Die beiden Ex-LSU Superstars machten im Superdome mit Abstand ihr bestes Spiel der Saison und liessen so leise Erinnerungen an ihr Auftritt im National Championship Game von 2019 im selben Stadion aufkommen.
Aber nicht nur diese beiden. Die Offenive insgesamt sah deutlich besser aus. Nach den für die Bengals fast schon typische Startschwierigkeiten, verursacht durch einige Unkonzentriertheiten von unter anderem Trent Taylor und Tee Higgins, fand die Offensive einen guten Rythmus. Dies vor allem auch, weil man das Spiel in die Hand von Joe Burrow legte. Es ging viel über kurze Pässe und man machte sich bewusst den Raum underneath zu Nutze. Gerade Joe Mixon und Tyler Boyd konnten davon sichtlich profitieren und zeigen welchen Wert sie für dieses Team im Passspiel haben können. Gerade über Mixons Rolle können und müssen wir noch ein wenig mehr Sprechen. Dies nicht nur, weil er durch ein geniales Play Design an der Goalline einen Touchdown fangen konnte, sondern weil er eigentlich kaum eingesetzt wurde. Wenn man Mixons Statline mal etwas genauer anschaut lässt sich sofort erkennen was ich meine: 8 Carries für 45 (5.6 Yards im Schnitt) sowie 4 Recepetions für 23 Yards und den angesprochenen TD. Mixon hatte insgesamt also nur 12 Touches, war dabei aber enorm effizient. Dies ist doch eine sehr erstaunliche Entwicklung, wenn man bedenkt, das Mixon vor dem Ravens Spiel immer noch einer der RB mit den meistens Rushing-Versuchen war. Schlussendlich ist in diesem Spiel genau das passiert, was ich schon lange gefordert hatte. Man hat das (Kurz)Passspiel genutzt um Räume für das Laufspiel freizubekommen und nicht anders herum. Im Umkehrschluss mussten die Saints das effiziente Laufspiel respektieren und boten so wieder Möglichkeiten im Passspiel an.
Am Ende war es aber nicht das Laufspiel, welcher der prägende Faktor für diese Offensive war. Die Offensive lief in weiten Teilen über denn Pass, spezifischer über JaMarr Chase und Joe Burrow. Beide, wie in der Abschnittseinleitung schon angemerkt, machten ihr bestes Spiel der Saison und das war auch bitter nötig, wenn man in Betracht zieht, was die Bengals auf der anderen Seite des Balls fabriziert haben. Eigentlich die gesamte Offensive fand aus der Shotgun Formation statt und Joe Burrow fühlte sich sichtlich Wohl, aus dieser Ausgangslage die Bälle zu verteilen. Die Pässe waren perfekt platziert, er traute sich auch wieder engere Fenster zu attackieren (1. Chase TD), mehrmals konnte er sicher geglaubten Sacks entkommen und er gab seinen Receivern die Möglichkeit geile Plays zu machen. Klingt für mich ganz nach dem Joe Burrow, den wir in den ersten 4-5 Wochen ein bisschen vermisst haben. Und wenn Burrow so gut spielt, ist das meistens sehr eng verknüpft mit einer ebenfalls hervorragenden Leistung von JaMarr Chase. Was kann man zu dem Typ eigentlich noch sagen? An diesem Punkt ist es für mich einfach nur noch absurd oder kennt ihr sonst einen Receiver (abgesehen von vlt. Hill) der die Fähigkeit hat einen kurzen 5-7 Yard Pass in einen 60-Yard-Game-Winning-Touchdown umzuwandeln? Aber nicht nur diese Bigplay-Fähigkeit von Chase ist beeindruckend, auch die Fähigkeit sich immer wieder auf engsten Raum durchzusetzten und Bälle zu fangen wenn der CB praktisch an seinem Körper klebt, lässt mich mit offenen Mund zurück. Wenn diese beiden so spielen wie gegen die Saints, dann weiss ich wirklich nicht was du als gegnerische Defense gross anstellen willst. Und ich hoffe diese Performance der beiden war nur die erste von vielen weitern diese Saison.
Das schlechteste Spiel der Saison
So gut die Bengals diese Woche Offensiv aufgetrumpft haben so haarsträubend war der Auftritt der Defensive diese Woche. Gegen den Backup-QB und WR4-6 auf dem Feld 26 Punkte zulassen ist nicht das, was ich von dieser Defensive erwarte. Vor allem weil die Defensive in den vergangen Spielen eigentlich immer der klar bessere Mannschaftsteil war, konnte man diese Entwicklung wirklich nicht erwarten. Aber die Bengals wären nicht die Bengals wenn sie nicht auch dieses Spiel irgendwie spannend halten. Diese Woche war halt zu unser aller Überraschung nicht die Offensive, sondern die Defensive dran Schuld.
Seit der Verletzung von Dj Reader tut sich eine immer grösser werdende Problemzone in dieser Defensive auf. Die Verteidigung gegen den Lauf war schon im Spiel gegen die Ravens nicht gut aber im Spiel gegen die Saints am vergangenen Sonntag war sie abartig schlecht. Nach rund 20 Minuten Spielzeit hab ich mir bereits 144 Rushing Yards für die Saints notiert. Am Ende des Spiels hatten die Saints 34 Laufversuche für 228 Yards. Das ist ein Schnitt von 6.7 Yards pro Lauf. Zum Vergleich Joe Burrows durchschnittliche Targettiefe (also wie Tief fangen die Receiver die Bälle) liegt bei 6,4 Yards. Was Burrow über den Pass zusammenspielte, konnten sich die Saints also einfach erlaufen. Das ist einfach wirklich wild, um es schonend zu formulieren. Man merkt gerade in der Laufverteidigung wie wichtig DJ Reader für diese Defensive war. All zu lange wird das ohne ihn nicht mehr gut gehen und gerade gegen die Browns in zwei Wochen wäre es ultra wichtig einen Spieler wie ihn wieder zurück zu haben. Hoffentlich ist er bald wieder genesen.
Auch die Third-Down Defense war in diesem Spiel ein echtes Problem. Die Defensive lies sich Mal ums Mal von Andy Dalton und den Backup-Receivern schlagen, auch weil sie viel zu oft einfach zu viel Platz bekamen. Hauptsächlich Eli Apple und Mike Hilton sahen in Coverage sehr überschaubar aus. Die Defense kam so bei Third Down einfach nicht von Feld, zum Teil auch wegen wirklich dummer Aktionen (Ja ich meine dich Trey) und das kristallisierte sich zu einem echten Problem heraus. Die Saints konnten so mit dem Laufspiel Minute um Minute von der Uhr nehmen und hielten die heiss gelaufenen Bengals Offensive auf der Bank, wo sie keine Punkte machen können.
Um auf einer positiven Note aufzuhören: Als es die Defensive gebraucht hat, konnte sie im entscheidenden Moment das three-and-out erzwingen und JaMarr Chase belohnte sie dafür mit dem Sieges-TD. So mussten die Saints mit ihren letzten Drive unbedingt einen Touchdown erzielen, doch das war zu viel verlangt für den Arm von Andy Dalton. Die Defensive hat diese Saison immer noch keinen Touchdown in der zweiten Hälfte eines Spieles zugelassen und wenn es nach mir gehen würde, kann das für den Rest der Saison auch gerne so bleiben.
3 Gewinner, 1 Verlierer
+ Joe Burrow: Joe Burrow spielte wieder wie der alte. Präzise Pässe, Pocket Movement fom feinsten und gute Entscheidungen. Gerne weiter so!
+ JaMarr Chase: 132 Yards, 2 Touchdowns und die prägende Figur für diesen Bengals Victory. Entscheidet mit seinem 60 Yard Touchdown das Spiel.
+ Zac Taylor: Nach der harschen Kritik am Scheme und am Play Calling hat Zac Taylor diese Woche ein echt gutes Spiel abgeliefert. Viel gute Play Designs und die Umstellung auf eine Shotgun-Offense haben dieser Offensive neues Leben eingehaucht.
- Eli Apple: Bei der Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte, wo er dank seiner Twitter-Eskapaden nicht mehr auf viel Gegenlieb stösst, lieferte er ein echt schwaches Spiel ab und goss so natürlich Öl in das Feuer seiner Hater.
Somit bleibt mir wie immer nur noch eines Übrig:
Who DEY!
🐅
Kommentare
Kommentar veröffentlichen