Wer die vergangenen Tage auf dem offiziellen Twitter-Account der Cincinnati Bengals unterwegs war, dem sollte dieses mehr oder weniger gute Wortspiel zu unserem Gegner in Week 1, sicherlich auch ein kleines Schmunzeln auf die Lippe gezaubert haben.
Um das Kind beim Namen zu nennen: Steelers at Bengals heute Abend um 19.00 Uhr zur Primetime (zumindest aus europäischer Sicht). Besser kann eine neue Saison eigentlich nicht beginnen. Die Vorfreude ist riesig und der Ehrgeiz nach dem knapp verpassten Super Bowl Sieg sowie einer, wie ich finde, guten Offseason sowieso.
Ein kleiner Wehrmutstropfen bleibt: Das Spiel findet nicht mehr im Paul-Brown-Stadium statt sondern im Paycore-Stadium. Die in Cincinnati ansässige Firma hat sich auf diese Saison hin die Namensrechte am "Jungel" gesichert. Ein Deal der zwar vielen Traditionalisten sauer aufstossen wird, aber von enormer Bedeutung für die finanzielle Stabilität der Franchise ist. Vielleicht bleibt in einem eigenständigen Beitrag noch etwas mehr Zeit, dieses Thema weiter aufzugreifen.
Gehen wir rein in die Preview:
Steelers - gehts auch ohne Big Ben?
"What are they even steeling?" ist nicht nur ein PR-Gag des Bengals Social Media Teams sondern beschreibt eben aus meiner Sicht auch ganz gut die Situation unseres Lieblings-Rivalen. Die Steelers befinden sich in einer nicht ganz greifbaren Situation irgendwo zwischen Rebuild und Playoff-Aspirant.
Der langjährige Franchise QB Ben Rothlisberger hing seine Footballschuhe nach einer eher schlecht als rechten Saison an den Nagel. Als Ersatz für ihn erkaufte man sich mit Mitchell Trubisky die Rechte am gescholtenen Nr. 2 Pick des 2017 Draft. Dazu investierte man den First Round Pick dieses Jahr in Kenny Picket, der an der Pitt University spielte und sich damit bestens in den Facilities der Steelers auskennt. Die QB-Situation in Pittsburgh wirft also durchaus Fragen auf. Wovon beide QBs kaum Hilfe erwarten können sind die 5 Mann vor ihnen. Die Steelers O-Line war bereits letztes Jahr ein Problem und auf die anstehende Saison hin hat man, im Gegensatz zu den Bengals, kaum Upgrades finden können. Definitiv mehr Hilfe sollte allerdings von den Passcatchern und dem Runningback kommen. Mit Harris als Runner sowie mit Johnson, Claypool, Pickens und Freiermuth steht den Steelers ein durchaus schlagkräftiges Waffenarsenal zur Verfügung. Es wird spannend zu sehen sein, ob die QBs hinter dieser Line ihre Playmaker in Szene setzten können.
Das Prunkstück der Steelers ist wie seit eh und je die Defense. Wie praktisch immer in den vergangenen Jahren bringen die Steelers eine enorm gefährliche D-Line auf den Platz. Angeführt von TJ Watt, einem der besten Verteidiger überhaupt, ist diese Line durchs Band stark besetzt. Zur Missgunst der Bengals konnte man mit Larry Ogunjobi sogar eine durchaus prominente Verpflichtung für eine eh schon starke Positionsgruppe machen. Im Defensive Backfield sticht vor allem ein Name heraus. Mit Minkah Fitzpatrick haben die Steelers einen polivalent einsetzbaren Playmaker in ihren Reihen, der immer für die eine oder die andere Interception gut ist. Ihm zur Seite stehen erfahrene Cornerbacks, die defintiv nicht zur obersten Riege gehören, die aber ganz genau wissen wo sie stehen müssen und was von ihnen verlangt wird.
Bengals - Besseres Team, selber Erfolg?
Wie in der Einleitung bereits angedeutet stellt sich den Bengals zum Beginn der Bengals eine neue Situation. Nach der kürzest möglichen Offseason wurde der Kader weiter gestärkt. Allerdings haben sich nach der vergangen Saison auch die Erwartungen drastisch geändert. Die Bengals sind nicht mehr der Underdog, sie sind nicht mehr das Team, dass eh keiner ernst nimmt und sie sind hoffentlich nicht mehr das Team mit dem meist-gesackten Quarterback.
Nach der vergangen Saison war allen klar worauf der Fokus in der Offseason liegen sollte. Wenn dieses Team eine Chance haben will muss es endlich Ressourcen in die O-Line stecken und genau das haben die Bengals getan. In der Free Agency hat man mit Ted Karras, Alex Cappa und Lael Collins einen Rundumschlag hingelegt und sich Playoff erprobte Veteranen ins Team geholt. Im Training Camp hat sich dann mehr oder weniger überraschend der Rookie 4. Runden Pick Cordell Volson an Jackson Carmen vorbeigespielt und so haben wir gegenüber der Line vom Superbowl auf 4 von 5 Positionen neue Starter. Qualitativ ist das ein enormes Upgrade zu vergangen Jahren und gerade deswegen sollte man vielleicht jetzt zum Beginn der Saison noch den Fuss auf der Bremse lassen. So eine neue Einheit gestaltet sich nicht von Heute auf Morgen. Die Jungs in der Line müssen sich erst gegenseitig kennenlernen und sich zusammen einspielen. Gerade bei einer Positionsgruppe wie der O-Line ist dieser Aspekt besonders wichtig.
Um die Line herum hat sich nicht gross etwas verändert. Die Bengals bringen nach wie vor eine der besten Waffenarsenale überhaupt auf den Platz. Joe Burrow ist der Dude, JaMarr Chase und Tee Higgins das aus meiner Sicht beste WR Duo der Liga und und underneath hast du mit Boyd einen maximal unterschätzen Slot Receiver der dir Drive für Drive das First Down sichert. Mit Joe Mixon hast du dazu einen soliden Runner im Backfield der schlechte Run-Defense Mal ums Mal bestraft und auch als Receiver ziemlich gute Routen läuft. Die grosse unbekannte befindet sich auf TE. Hier steht mit Hayden Hurst ein neuer Name auf dem Depth Chart, nachdem Fan-Liebling und Lockerroom-Leader CJ Uzomah überraschenderweise zu den Jets abgewandert ist. Hurst, der ehemalige First Round Pick der Ravens, gilt als bessere Receiver wie Uzomah allerdings auch als weniger begabt im Blocking. es wird spannend zu sehen sein, welche Rolle er in dieser Offense ausfüllen kann.
Die Defense ist die selbe wie letztes Jahr. Abgesehen vom Abgang von Ogunjobi bringen die Bengals alle Defensiven Starter zurück auf den Platz. Hinzu kommt dafür der 31. Pick dieses Jahres, Safety Dax Hill. Hill eröffnet Lou Anarumo neue Möglichkeiten da er sehr flexibel einsetzbar ist. Als athletischer Freak kann Hill verschieden Rollen innerhalb der Defense einnehmen. Auch der Name Jessie Bates sollte hier noch fallen. Nach der Posse in der Offseason, hat er sich schlussendlich doch dazu entschieden unter dem Franchise-Tag zu spielen. Er ist ein Leader und Anführer für dieses Defense, auch wenn es sehr wahrscheinlich seine letzte Saison in den Stripes zu sein scheint. Der Star dieser Defense ist schnell gefunden. Mit Trey Hendrickson haben die Bengals seit langer Zeit mal wieder einen dominanten Passrusher in ihren eigene Reihen. Wenn sein muss, kann er ganze Drives an sich reissen.
Keys to Victory
Abschliessen möchte die Previews mit meinen Keys to Victory. Was denke ich wird ausschlaggebend über Sieg oder Niederlage sein? Hier erfahrt ihr es in Notizform:
- Bengals Passrush muss das günstige Matchup vs die Steelers Oline nutzen können um Mitch Trubisky wenig Zeit zu geben seine Waffen zu finden
- Die Runverteidigung muss zusehen, dass sie Najee Harris im Zaun halten können.
- Die neu formierte Bengals O-Line sollte gegen eine starke Front 7 der Steelers möglichst schnell in den Tritt finden.
- Zac Taylors Offense muss Wege finden die Playmaker freizubekommen. Chase wird besondere Aufmerksamkeit erhalten und die Defense der Steelers wird alles daran geben, dass er sie nicht tief schlägt.
Kommentare
Kommentar veröffentlichen